STEUERfrei - April 2002

Die Sozialversicherung der Selbstständigen

siehe auch: SteuerBASICS Sozial-Versicherung für Selbständige (10/2012)

Was bedeutet eigentlich SVAGW?

Dass die Versicherungsanstalt der Selbstständigen SVAGW (Sozial-versicherungs-anstalt der "gewerblichen" Wirtschaft) heißt, hat historische Gründe. Mittlerweile versichert die SVAGW beinahe alle Selbstständigen.

Das volle Versicherungspaket mit Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung

Den Versicherungsschutz bekommen die Mitglieder der Wirtschaftskammer mit der Eröffnung des Gewerbes, was durch die Ausstellung des Gewerbescheins ersichtlich gemacht wird. Auch wenn das Gewerbe in Form einer OHG (bzw. OEG) oder KG (KEG) ausgeführt wird, sind seit 1.1.2000 alle Gesellschafter versichert. Bei GmbHs fällt der/die GeschäftsführerIn unter diese Sozialversicherung, wenn er/sie mehr als 25% Beteiligung hält.

TIPP: Wer sein Gewerbe ruhend meldet, was unter Umständen sogar bis 18 Monate rückwirkend möglich ist, ist nicht versicherungspflichtig.

Neue Selbstständige treten in diese Sozialversicherung durch die Meldung ihrer Tätigkeit ein. In diese Gruppe fallen z.B.: Vortragende oder Lehrende, Musiker oder bildende Künstler, Journalisten, Autoren, Sachverständige oder Gewerbetreibende ohne Gewerbeschein. Auch hier besteht für die Gesellschafter von Personengesellschaften (hier auch ARGEs) Versicherungspflicht.

TIPP: Die Einkünfte von Kommanditisten aus ihren Gesellschaften, die vor dem 30.6.1998 gegründet wurden, sind generell sozialversicherungsfrei.

Teilversicherung

Bei den Freien Berufen haben die meisten Berufsgruppen nur Teile des Versicherungsschutzes bei der SVAGW abgedeckt. Ärzte etwa nur die Pensionsversicherung, Rechtsanwälte hingegen nur die Krankenversicherung. Ergänzend dazu bestehen kammereigene Vorsorgeeinrichtungen. Apotheker, Patentanwälte, Tierärzte und Wirtschaftstreuhänder haben ihre Krankenversicherungspflicht auf private Gruppenversicherungen verlegt.

Ausnahmen über Ausnahmen

Kleinstgewerbetreibende (Umsatz pro Jahr < 22.000,--, Gewinn pro Jahr < 3.618,48) sind auf Antrag von KV und PV befreit. Der Antrag muss am Jahresanfang gestellt werden.

Auch geringfügig tätige Ärzte oder Pensionisten können diesen Antrag stellen.

Nebenberufliche Neue Selbstständige mit einem Gewinn pro Jahr < 3.618,48 sind von KV, UV und PV befreit.

Ebenfalls sind hauptberufliche Neue Selbstständige mit einem Gewinn pro Jahr < 6.453,36 von KV, UV und PV befreit.

Neue Selbstständige, die am 1.1.1998 bereits das 50. Lebensjahr erreicht hatten werden auf Antrag und Personen, die das 55. bzw. 57. Lebensjahr erreicht hatten, werden ohne Antrag von der PV befreit.

Bei Künstlern gilt die Altersgrenze von 50 bzw. 55 Jahren mit dem Stichtag 1.1.2001.

Wer bereits ASVG-krankenversichert ist, bezahlt bei der SVAGW einen reduzierten Beitrag (2002: 2,67% statt 8,9%)

Vorauszahlungen für das laufende Jahr

Wie bei der Einkommensteuer sind zunächst vorläufige Beiträge für KV und PV zu leisten. Nach bescheidmäßiger Feststellung des Einkommens werden die endgültigen Beiträge von der SVAGW berechnet und vorgeschrieben.

Die Vorauszahlungen für 2002 berechnen sich so:

Einige Beispiele in
Gewerbetreibende
Hauptberufliche neue Selbstständige
Nebenberufliche neue Selbstständige
Selbstständiges Einkommendes Jahres 1999
10.000,--
10.000,--
10.000,--
+ Investitionsfreibetrag 1999
+ 200,--
+ 200,--
+ 200,--
+ vorgeschriebene Sozialver-sicherungsbeiträge 1999 ohne UV
+ 1.000,--
+ 1.000,--
+ 1.000,--
- aufgelöste Investitionsfreibeträge 1999
- 100,--
- 100,--
- 100,--
= Zwischensumme
11.100,--
11.100,--
11.100,--
x Aktualisierungsfaktor 6,4%
x 1,064
x 1,064
x 1,064
= adaptiertes Einkommen
11.810,40
11.810,40
11.810,40
x Erhöhungsfaktor 9,3%
x 1,093
x 1,093
x 1,093
= Vorläufige (Mindest-) Beitrags-grundlage
(12.908,77)
Mindest: 13.714,44
12.908,77
(Mindest 7.053,48)
12.908,77
(Mindest 3.954,96)
x Beitragssatz PV
x 15% = 2.057,17
x 15% = 1.936,32
x 15% = 1.936,32
x Beitragssatz KV
x 8,9% = 1.220,59
x 8,9% = 1.148,88
x 8,9% = 1.148,88
= Vorauszahlung jährlich
3.277,76
3.085,20
3.085,20

TIPP: Sollte die vorläufige Beitragsgrundlage zu hoch sein, da Sie niedrigere Einkünfte für das heurige Jahr erwarten, können Sie eine zinsenfreie Stundung für die überhöhten Beiträge beantragen. Die Vorschreibung kann dadurch bis auf die Mindestbeitragsgrundlage reduziert werden.

siehe auch: Gewerbliche Sozialversicherung - Harmonisierung (02/2008)

(Marina Polly) 04-06/02