STEUERfrei - Juni 2007

Erleichterungen für Kleinunternehmer/innen bei der Einzelaufzeichnungspflicht ab 1.1.2007

Wie bereits in der STEUERfrei-Ausgabe April – Juni 2006 berichtet, wurden die Buchhaltungsvorschriften mit dem Betrugsbekämpfungsgesetz 2006 verschärft. Durch eine Änderung der Bundesabgabenordnung besteht mit 1.1.2007 die Verpflichtung, alle Bareingänge und –ausgänge in den Grundaufzeichnungen täglich einzeln (d.h. jeder Geschäftsfall) festzuhalten. Erfolgen ab 1.1.2007 keine genauen und konformen Angaben über ihre Bareinnahmen und –ausgaben, können diese vom Finanzamt geschätzt werden. Mit der Barbewegungsverordnung wird den zahlreichen Kleingewerbetreibenden diese massive bürokratische Belastung genommen. Sie lässt nach wie vor vereinfachte Aufzeichnungen bei Barbewegungen zu.

siehe auch: Basics: Verjährung und Aufbewarungsfristen (06/2013),
Kassenrichtlinie 2012 (03/2013), Kassenrichtlinie (03/2012), Basics (07/2010), Betrugsbekämpfungsgesetz (06/2006)

Wann sind Betriebe von der Einzelaufzeichnungspflicht ab 1.1.2007 befreit?
Die Befreiung von der Einzelaufzeichnungspflicht greift dann, wenn in zwei aufeinander folgenden Wirtschaftsjahren jeweils ein Umsatz unter 150.000 € für den einzelnen Betrieb erzielt wird. Mit dem darauf folgenden Wirtschaftsjahr kann die Losungsermittlung vereinfacht (siehe Kasten unten) erfolgen. Erst wenn der Umsatz in einem Wirtschaftsjahr 150.000 € überschreitet, tritt die Einzelaufzeichnungspflicht mit Beginn des zweitfolgenden Wirtschaftsjahres ein. Allerdings wird ein einmaliges Überschreiten des Umsatzes um max. 15 % innerhalb von drei Wirtschaftsjahren gestattet. Bei einem Betriebsübergang sind auch die vorangegangenen Wirtschaftsjahre des Rechtsvorgängers miteinzubeziehen.
Unabhängig von der Umsatzgrenze besteht für Umsätze, die von Haus zu Haus, auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten ausgeführt werden und nicht in Verbindung mit fest umschlossenen Räumlichkeiten stehen, eine weitere Ausnahme von der Einzelaufzeichnungspflicht. Darunter fallen nicht nur fahrende Händler, Schausteller und Verkaufsstände von Gastronomiebetrieben, sondern auch Maroni– oder Weihnachtsstände. Jedoch sind Umsätze in Schanigärten von der Einzelaufzeichnungspflicht erfasst, wenn der Schanigarten selbst in Verbindung mit einem festen Geschäftslokal betrieben wird. Als fest umschlossene Räumlichkeit wird auch das Taxi- oder Fiakergewerbe gesehen, die Einzelaufzeichnungen führen müssen, sobald sie die Umsatzgrenze von 150.000 € überschreiten.

Welche Übergangsregelungen sind ab 1.1.2007 zu beachten?
Betriebe, die bisher nur eine vereinfachte Losungsermittlung vorgenommen haben, müssen ab 1.1.2008 auf die Einzelaufzeichnung umstellen, wenn in den Jahren 2005 und 2006 mehr als 150.000 € Umsatz erwirtschaftet wurde. Ebenso sind EAR 2007 und 2008 nicht berechtigt eine vereinfachte Losungsermittlung durchzuführen, wenn diese schon bisher Einzelaufzeichnungen geführt haben und 2006 ein Umsatz von mehr als 150.000 € erzielt wurde.

Erfassen der Losung

vereinfachte Losungsermittlung
• „Kassasturz“: tägliche Berechnung der Losung durch Kassaend- und anfangsstand

Einzelaufzeichnungspflicht
• Registrierkasse: Aufbewahrung der Streifen über jedes Geschäft
• Tabellen: Erfassen der verkauften Produkte je Geschäftsfall und in Gruppen
• Händische Aufschreibung: chronologische Mitschrift in €-Beträgen

nicht mehr erlaubt
• „Strichlisten“: Erfassen der verkauften Produkte durch Zählen nach Gruppen
• „Standrechnung“: Berechnung der Losung durch Lagerstandsvergleich

siehe auch: Betrugsbekämpfungsgesetz 2006 (06/06)

(Renate Schneider) 06/07