STEUERfrei - November 2006


Steuerliche Begünstigungen für Einnahmen-Ausgaben-Rechner durch das KMU-Förderungsgesetz 2006

siehe auch: KMU-Stresstest (07/2012)

Mit dem KMU-Förderungsgesetz 2006 profitieren erstmalig ab der Veranlagung 2007 Einnahmen-Ausgaben-Rechner (EAR) nicht nur durch die Gewährung eines Freibetrages für investierte Gewinne sondern auch durch die Ausdehnung des Verlustvortrages und die Anhebung der Kleinunternehmergrenze. Im folgenden wird näher auf die beschlossenen Maßnahmen eingegangen:

Erweiterung des Verlustvortrages

Bisher bestand nur die Möglichkeit Verluste der ersten 3 Kalenderjahre ab Eröffnung des Betriebes, sogenannte Anlaufverluste, mit Gewinnen späterer Veranlagungszeiträume im Ausmaß von 75 % zu verrechnen. Ab dem Veranlagungsjahr 2007 können auch entstandene Verluste nach der Anlaufphase steuerlich verwertet werden, allerdings beschränkt auf die vorangegangenen 3 Jahre und im Ausmaß von 75 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

BSP.: Ein EAR erzielt in den Kalenderjahren folgende Gewinne/Verluste:
2007: - 50.000 €
2008: - 10.000 €
2009: - 65.000 €
2010: + 35.000 €
2011: + 45.000 €
Im Jahr 2010 kann dieser EAR 75 % von 35.000 €, das sind 26.250 €, mit dem Verlust aus dem Jahre 2007 verrechnen. 2010 müssen somit nur 8.750 € versteuert werden. Der restliche Verlust aus dem Jahr 2007 kann steuerlich nicht verwertet werden, denn der Gewinn aus dem Jahr 2011 wird nur mit den Verlusten aus den Jahren 2008 und 2009 verrechnet und das im Ausmaß von 33.750 € (75 % von 45.000 €). Nur 11.250 € sind im Jahr 2011 zu versteuern.

Tipp für Einnahmen-Ausgaben-Rechner: Ausgaben im Jahr 2006 (auch wenn sie zu einem Verlust fürhen) können 2007 eine Steuerentlastung bringen.

Freibetrag für investierte Gewinne

Ab 2007 wurde für EAR ein Freibetrag in Höhe von 10 % des Gewinnes des Betriebes geschaffen, der dann gewährt wird, wenn Investitionen im Laufe des betreffenden Kalenderjahres anfallen. Fallen die getätigten Investitionen geringer als die 10 % des Gewinnes aus, sind die Anschaffungskosten der getätigten Investitionen als maximal möglicher Freibetrag anzusetzen. Insgesamt ist der Freibetrag pro Kalenderjahr mit 100.000 € für jeden Steuerpflichtigen begrenzt und steht dem Steuerpflichtigen zusätzlich zur Abschreibung zu.

Weitere Voraussetzungen, die bei der Inanspruchnahme des Freibetrages berücksichtigt werden müssen:
• Der Gewinn fließt einer natürlichen Person zu, wird mittels EAR ermittelt und stammt nur von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit.
• Die Investition erfolgt im gleichen Kalenderjahr mit der Anschaffung von abnutzbaren, körperlichen, ungebrauchten Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die eine Nutzungsdauer von mindestens 4 Jahre vorweisen. Davon erfasst sind auch Wertpapiere, die zur Deckung einer Abfertigungsrückstellung dienen und ebenfalls mindestens 4 Jahre im Anlagevermögen verbleiben. HINWEIS: Wird die Mindestbehaltedauer von 4 Jahren nicht eingehalten, muss der gewährte Freibetrag nachträglich versteuert werden.

Kein Freibetrag steht allerdings bei folgenden Investitionen zu:
• Gebäude,
• PKW und Kombi, ausgenommen Fahrschulfahrzeuge sowie Kraftfahrzeuge, die zu mindestens 80 % der gewerblichen Personenbeförderung dienen,
• Luftfahrzeuge,
• geringwertige sowie gebrauchte Wirtschaftsgüter,
• Wirtschaftsgüter, für die ein Forschungsfreibetrag in Anspruch genommen wurde.

Nicht von der Berechnung erfasst sind außerdem Gewinne, die beim Wechsel der Gewinnermittlungsart oder bei der Veräußerung eines Betriebes oder Mitunternehmeranteils entstanden sind. Bei Mitunternehmerschaften ist weiters zu beachten, dass nur die Gesellschafter den Freibetrag in Anspruch nehmen können und zwar ausgehend vom anteiligen Gewinn, der ihnen gemäß ihrer Beteiligungshöhe an der Mitunternehmerschaft zusteht. Ebenso ist der maximale Freibetrag von 100.000 € mit ihrer Beteiligungshöhe an der Mitunternehmerschaft begrenzt. Wird der Mitunternehmeranteil allerdings im Betriebsvermögen gehalten, darf kein Freibetrag geltend gemacht werden.

BSP.: Im Kalenderjahr 2007 wurden folgende Investitionen in begünstigte Wirtschaftsgüter getätigt bzw. folgende Gewinne erzielt:
Fall 1 Fall 2 Fall 3
Gewinn 40.000 € 350.000 € 1.200.000 €
davon 10 % 4.000 € 35.000 € 120.000 €
Investitionen begünst. WG 6.000 € 20.000 € 135.000 €
Freibetrag für invest. Gewinne 4.000 € 20.000 € 100.000 €
Steuerbemessungsgrundlage 36.000 € 330.000 € 1.100.000 €

Tipp für Einnahmen-Ausgaben-Rechner: eilige Investitionen noch im Jahr 2006 sind eher nicht empfohlen

Anhebung der Kleinunternehmergrenze auf 30.000 €

Die derzeitige Kleinunternehmergrenze wird ab dem Jahr 2007 von 22.000 € auf 30.000 € Jahresumsatz angehoben. Unverändert bleibt jedoch die quartalsweise Einreichung der UVA, wenn der Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 22.000 € nicht überschritten hat. Damit gilt ab 1.1.2007 für sie als Kleinunternehmer zwar die Befreiung von der Umsatzsteuer, wenn ihr Nettoumsatz 30.000 € nicht überschreitet, allerdings lässt sich die Pflicht zur monatlichen Erfassung der UVA durch die Überschreitung des Umsatzes über 22.000 € nicht vermeiden. Ob dieses vermeintliche Versehen noch rechtzeitig beseitigt wird, bleibt abzuwarten.

• KMU-Förderungsgesetz
-- Erweiterung des Verlustvortrages
-- Freibetrag für investierte Gewinne
-- Anhebung der Kleinunternehmerregelung auf 30.000 €
• Kleinunternehmerregelung
- - Anhebung
• Freibetrag für investierte Gewinne
• Verlustvortrag

Ausschreibungen der Bundesbeschaffung auch für KMU zugänglich

Die Novelle des Bundesbeschaffung GmbH-Gesetzes (BBG) ermöglicht künftig auch Kleinbetrieben sich an den Ausschreibungen der BBG zu beteiligen.

Davon erfasst sind folgende KMU-relevante Beschaffungsgruppen:
• Gebäudereinigung,
• Informationstechnologie-Dienstleistungen,
• Büro- und EDV-Verbrauchsmaterial,
• Lebensmittel,
• Betriebsverpflegung,
• Wäscherei,
• Metall und Maschinen,
• Elektro- und Elektronikgeräte inkl. Wartung.

Leistungen in diesen Beschaffungsgruppen müssen künftig von der staatlichen Bundesbeschaffung GmbH auf regionaler Ebene ausgeschrieben werden. Damit soll in Zukunft gewährleistet werden, dass auch Kleinstbetriebe mit bis zu neun Beschäftigten die Möglichkeit erhalten, an den für sie wichtigen regionalen öffentlichen Beschaffungsvorgängen teilzunehmen.

Siehe auch: Noch rasch investieren (11-2007), KMU (09-2003)

(Renate Schneider) 11/06