STEUERfrei - April 2001

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Die "Vorauszahlungspolitik" für die Einkommensteuer muß neu überdacht werden

Bis zur Veranlagung des Jahres 1999 war es dem Finanzminister nicht wichtig, wann die Steuerpflichtigen, im Rahmen der gesetzlichen Fristen, ihre Steuererklärungen einreichten. Wer Rückzahlungen erwartete gab seine Erklärungen früher ab, wenn mit einer Nachzahlung zu rechnen war, ließ man sich eben etwas länger Zeit. Wenn die Veranlagung nach dem 30. September erfolgte, wurden auch die Vorauszahlungen des laufenden Jahres nicht mehr angepaßt. Dadurch konnte man zwar keine Steuern, aber immerhin ein wenig Zinsen sparen.

Das hat sich ab dem Veranlagungszeitraum 2000 geändert. Einkommensteuernachzahlungen und -gutschriften werden verzinst. Basis für die Verzinsung ist der Unterschied zwischen der Veranlagung und der Vorauszahlung, abzüglich freiwilliger (selbstberechneter) Steueranzahlungen.

Der Zinssatz beträgt zur Zeit 6% p.a. Die Verzinsung der Nachforderung beginnt am 1.7. des Folgejahres (für Veranlagung 2000 am 1.10.2001) und endet mit der Ausstellung des Steuerbescheides. (Die einmonatige Zahlungsfrist ist zinsenfrei.)

Wer bis 30.6. (bzw. 30.9.) ausreichend hohe Anzahlungen geleistet hat, muß nicht mit einer Zinsenbelastung rechnen. Da die Verzinsung bis zur Ausstellung des Bescheides läuft, ist man nicht nur vom Termin der Abgabe der Erklärungen abhängig, sondern auch vom Arbeitsaufkommen der Finanzbeamten.

Anspruchszinsen werden für maximal 42 Monate berechnet, was insbesondere bei Nachforderungen im Zuge von Betriebsprüfungen hohe Zinsen verursachen kann.

Wer Anspruchszinsen bezahlt, darf diese nicht als Betriebsausgabe geltend machen.

Gutschriftszinsen hingegen (für zu hohe Vorauszahlungen) müssen als Einkünfte aus Kapitalvermögen in der Einkommensteuererklärung eingetragen werden.

(Andrea Gauster) 04-06/01