STEUERfrei - März 2006


Dienstvertrag, Freier Dienstvertrag, Werkvertrag
Gut zu wissen, worin die wesentlichsten Unterschiede bestehen?

siehe auch: SteuerBASICS Sozial-Versicherung für Selbständige (10/2012)

Wann liegt ein Dienstverhältnis vor?

Nach dem Steuerrecht liegt ein Dienstverhältnis dann vor, wenn ein Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seine Arbeitskraft schuldet. Ausschlaggebend für das sozialversicherungsrechtliche Dienstverhältnis ist die Beschäftigung in persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit gegen Entgelt.
Demnach lassen sich folgende Merkmale für das Vorliegen eines Dienstverhältnisses ableiten:

Das Dienstverhältnis begründet ein Dauerschuldverhältnis, in dem der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer schuldet.
Es unterliegt der Weisungsgebundenheit. Der Arbeitnehmer hat den Anordnungen des Arbeitgebers Folge zu leisten.
Es erfolgt eine organisatorische Eingliederung in den Betrieb des Arbeitgebers durch Vorgabe von Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsmittel.
Ein weiteres Kriterium ist das Fehlen des Unternehmerrisikos, wobei darunter eine gleich bleibende monatliche Entlohnung zu verstehen ist.

Liegen diese Kriterien überwiegend nicht vor, ist steuerlich von einer betrieblichen oder selbständigen Tätigkeit auszugehen.

Was spricht für einen freien Dienstvertrag?

Ein freier Dienstvertrag liegt vor, wenn sich jemand vertraglich verpflichtet für eine andere Person eine laufende Tätigkeit jedoch ohne persönliche Abhängigkeit zu erbringen. Der freie Dienstvertrag begründet ebenfalls ein Dauerschuldverhältnis.

Was spricht für einen Werkvertrag?

Beim Werkvertrag ist man verpflichtet dem Auftraggeber ein Werk in persönlicher Selbständigkeit herzustellen. Der Vertrag ist dann erfüllt, wenn das bestellte Werk vollendet ist. Damit wird ein Zielschuldverhältnis begründet.

Welche Einkünfte werden erzielt?

In Bezug auf die Einkunftserzielung ist wichtig, dass Dienstnehmer, die im Rahmen eines Dienstverhältnisses ihre Leistung erbringen, Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen. Hingegen werden freie Dienstnehmer und Personen, die auf Grund eines Werkvertrages tätig werden, als Selbständige betrachtet und unterliegen damit entweder den Einkünften aus Gewerbebetrieb oder den Einkünften aus selbständiger Arbeit. Daher müssen sie selbst eine Veranlagung ihrer Einkünfte zur Einkommensteuer vornehmen.

Wann muss man bei freien Dienstverträgen und Werkverträgen eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Eine Steuererklärung ist abzugeben,

wenn neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften auch andere Einkünfte von mehr als 730 € enthalten sind und das Gesamteinkommen pro Jahr 10.900 € übersteigt.
wenn keine lohnsteuerpflichtigen Einkünfte bezogen werden und das Gesamteinkommen pro Jahr 10.000 € übersteigt.


Wann unterliegt man der Sozialversicherungspflicht?

Für freie Dienstverträge besteht nach dem ASVG Beitragspflicht außer die Einnahmen übersteigen die Geringfügigkeitsgrenze von 333,16 € pro Monat nicht.
Bei den Werkverträgen ist das gewerbliche Sozialversicherungsgesetz (GSVG) entweder als „neuer Selbständiger“ oder als Mitglied der Kammer der gewerblichen Wirtschaft anzuwenden. Als neuer Selbständiger unterliegt man erst dann der Versicherungspflicht, wenn der Gewinn im Kalenderjahr die Versicherungsgrenze iHv 6.453,35 € bei ausschließlichen Einkünften aus Werkverträgen, ansonsten iHv 3.997,92 € überschreitet.

(Renate Schneider) 03/06