STEUERfrei - Juni 2003

Die Absetzbarkeit von Reisekosten
oder
"Gleiches soll man gleich, Ungleiches ungleich behandeln!"

Das EStG differenziert Berufsreisen von Unselbstständige (§16 Abs.1 Z9 EStG 1)) von Geschäftsreisen der Selbstständigen (§4 Abs. 5 EStG 2)):

Für Dienstnehmer gilt, dass Reisekosten, die ausschließlich beruflicher Natur sind, ohne jeglichen Nachweis anzuerkennen sind, sofern sie die Grenzen des § 26 Z4 EStG nicht überschreiten. Die bisherige Verwaltungspraxis berücksichtige, aufgrund langer Übung, ebenso die Aufwendungen von Selbstständigen.

Durch eine neue Gesetzesauslegung gelangte der VwGH mit 30. Jänner 2003 zu der Erkenntnis, dass aufgrund der Novellierung des § 4 As.5 EStG 1972 im Jahre 1988, den Selbstständigen keine Tages- bzw. Nächtigungspauschale zusteht, da die Phrase "ohne Nachweis" gestrichen wurde. Alle Betriebsausgaben bei Geschäftsreisen müssten nunmehr einzeln belegt werden. Es entspricht daher dem Gesetzeswortlaut, dass nicht nachgewiesene Aufwendungen von den Behörden nicht berücksichtigt werden. Ein Verstoß gegen den Gleichheitssatz liegt aber nicht vor, denn Unternehmer verfügen - im Gegensatz zu Arbeitnehmern - über funktionierende Rechenwerke, die einen belegmäßigen Nachweis ermöglichen.

Aber Unternehmer können aufatmen, denn das Finanzministerium hat sofort mit Erlass die alter Verwaltungspraxis bekräftigt, und im neuen Budgetbelgeitgesetz 2003 hat man das Gesetz repariert.

Siehe auch: Berufsreisen nach der EU-Erweiterung (06/04)
Siehe auch: Absetzbarkeit von Ausgaben (11-2007), Spenden (03-2006), Was kann ich absetzen (10-2001), Arbeitszimmer (04-2001), Fahrtenbuch (01-2001)

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1) §16 Abs. 1 Z9 EStG 1988 "... Reisekosten bei ausschließlich beruflich veranlassten Reisen. Diese Aufwendungen sind ihrer Höhe ... anzuerkennen ..."

2) § 4 Abs. 5 EStG 1972 -> 1988 "...Aufwendungen ... bei ausschließlich durch den Betrieb veranlasste Reisen sind o h n e N a c h w e i s ... als Betriebskosten anzuerkennen ..."

(Susanne Kühlmayer) 06/03